Soziale Jungs Hamburg

Highlights

12.07.2019

»Man muss wach sein, bereit sein und anpacken, nur rumstehen geht nicht.«


Max Schütze hat sich bei der Tiertafel Hamburg e.V. engagiert

Max Schütze hat sich bei der Tiertafel Hamburg e.V. engagiert

Im Interview erzählt Max Schütze, Schüler in der 8b der Irena-Sendler-Schule, von seinen Erfahrungen im ehrenamtlichen Praktikum bei der »Tiertafel Hamburg e.V.«, das er im Herbst 2018 begonnen hat.

 



Max, du engagierst dich jetzt schon seit Oktober für die Tiertafel und hast an vier Terminen dort mitgeholfen. Auf was für Leute triffst du?

Also ich bin da alle zwei Wochen, wenn dort geöffnet ist, das heißt zweimal in Monat, das ist immer mittwochs nachmittags. Frau Doll leitet die Tiertafel, aber bei der Ausgabe sind andere Leute, die ehrenamtlich helfen. Wie viele Helfer es insgesamt sind, weiß ich nicht; manchmal kommen Leute, die ich noch nicht gesehen habe. Ich schätze mal es sind 20-25 Leute, die mithelfen.

Manche der Kunden, wie sie genannt werden und die etwas weiter weg wohnen, kommen nur alle vier Wochen, und dann wird ein bisschen mehr für die eingepackt. Aber die meisten kommen alle zwei Wochen. Da sind jedes Mal richtig viele Leute, die auch schon mal bis zur nächsten Straße anstehen. Und es kommen viele immer wieder, das sind Stammkunden. Man muss eine Visitenkarte oder Berechtigungskarte haben. Und man muss auch jedes Mal selbst eine kleine Spende geben. Dass nur Obdachlose kommen, stimmt nicht. Es kommen auch Leute, die in ihrem Job nicht viel Geld verdienen oder arbeitsunfähig sind oder eine geringe Rente haben.

 

Was sind deine Aufgaben?

Man steht hinter einem Tresen, und hinter einem sind mehrere Regale an den Wänden, wo halt vor allem Hundefutter drin ist, in verschiedenen Sorten. Es gibt Hunde, die haben eine Getreideallergie. Es gibt Katzen, die haben Nieren- oder Magenprobleme, die kriegen spezielles Futter. Die Kunden wissen um den Gesundheitszustand ihrer Tiere. Aber wir haben nicht nur die Ausgabe, sondern es gibt auch einen Tierarzt nebenan und Physiotherapeuten für die Tiere.

Meine wesentliche Aufgabe ist die Ausgabe von Trockenfutter und Nassfutter. Wir haben auch Spielsachen für Tiere und es gibt auch ein Lager, da gibt es Halsbänder, Leinen, Körbchen in allen Arten, Katzenklos, was ein Tier halt so braucht. Nur Lager und sortieren habe ich bis jetzt noch nicht so viel gemacht. Aber wenn Kunden Wünsche haben, die wir unten nicht bedienen können, gehe ich zum Lager hoch und frage dort, ob wir das haben, was jemand braucht.

 

Wer oder was hat dich am meisten beeindruckt während deiner bisherigen Mitarbeit?

Ein Mann, der ganz aus Öjendorf kam, mit dem Fahrrad, und der für sein Tier Essen abgeholt hat. Und dann noch, dass das Futter zum Teil sündhaft teuer ist, darüber habe ich mir noch nie richtig Gedanken gemacht. Ich habe ja selbst einen Hund, aber das wusste ich so nicht. Wenn ich jetzt ins Futterhaus gehe um was einzukaufen, weiß ich, dass 40 Euro viel Geld ist, das man in einer Woche los werden kann. Und viele Leute, die zur Tiertafel kommen, sind zum Beispiel arbeitsunfähig, das bekommt man mit der Rente und seinem eigenen Essen ja gar nicht hin. Das hat mich echt beeindruckt, wie teuer das alles ist. Und auch, wie viele Leute da zu jeder Ausgabe kommen. Ich hab die nicht gezählt, aber pro Ausgabe sind das mindestens 150 Leute, und viele haben ihre Tiere dabei.

 

Was hat dich überrascht, das du vorher nicht gewusst hast?

Dass es so etwas wie die Tiertafel überhaupt gibt. Ich bin im Internet darauf gestoßen. Es kommt vor, dass nach einer Ausgabe die Regale fast leer sind. Dann hat man zwei Wochen Zeit, sie wieder aufzufüllen. Es wäre deshalb schön, auch wenn das Futterhaus schon viel gibt, wenn noch viel mehr Spenden kommen würden. Schade finde ich, dass die Tiertafel scheinbar nicht so bekannt ist.

Was ich noch sehr toll finde und meine gehört zu haben: dass auch der Tierarzt dort vollkommen ehrenamtlich arbeitet, nach seiner eigentlichen Schicht. So wie die Ärzte vom Mitternachtsbus für die Obdachlosen.

Und was ich vorher auch nicht wusste: dass bei der Tiertafel alles sehr koordiniert abläuft. Man bekommt dort eine Nummer und wird aufgerufen, es kann nicht einfach jeder reinstürmen. Es gibt auch einen Sicherheitsdienst, der darauf aufpasst. Und das ist auch gut so, denn bei der Weihnachtsausgabe konnte man merken, dass die Stimmung schon etwas aufgeheizter war, weil jeder das Beste oder wenigstens etwas Besonderes mitnehmen wollte. Es wird aber versucht, beruhigend auf diese Stimmung einzuwirken. Zum Beispiel war ein Zelt aufgebaut, wo sich die Leute reinsetzen konnten. Und es wurde Kinderpunsch, Suppe und Tee ausgegeben, dadurch hat sich die Stimmung etwas beruhigt.

 

Würdest du irgendetwas noch verbessern oder anders machen?

Ich bin erstmal sehr zufrieden, wie das alles läuft, und dass es so etwas überhaupt gibt. Gäbe es die Tiertafel nicht, hätten die Leute vielleicht keinen Hund oder der Hund würde sterben. Im Moment hätte ich nichts auszusetzen.

 

Fühlst du dich insgesamt wohl in der Einrichtung, mit den Leuten, mit der Anleitung?

Ja, auf jeden Fall. Ich komme mit allen gut klar und es bringt mir viel Spaß. Die sind alle supernett und hilfsbereit dort.

 

Wie lange hast du vor, bei der Tiertafel mitzuarbeiten?

Eine meiner »Kolleginnen« hat schon gefragt, ob ich weitermache. Und ja, auch nach dem Sozialpraktikum mache ich da auf jeden Fall weiter, so lange es mit der Schule zusammenpasst. Weil es mir am Herzen liegt, dass nicht nur die Leute, die etwas mehr Geld haben, an teures Tierfutter und andere Sachen fürs Tier kommen, sondern auch Leute mit weniger Geld.

 

Würdest du die Arbeit, die du gemacht hast, anderen empfehlen? Und welche Voraussetzungen bräuchte jemand – deiner Meinung nach – um diese Arbeit zu machen?

Ich empfehle diese Arbeit gern weiter, weil es wichtig ist, dass es so was gibt. Man muss auf jeden Fall Geduld mitbringen, weil man warten muss. Man muss Nettigkeit mitbringen, aber auch nicht zu viel, weil die Leute dann immer mehr von einem wollen. Man muss außerdem wach sein und bereit sein und anpacken, nur rumstehen geht nicht. Und man braucht Tierliebe oder wenigstens ein gewisses Gefühl zum Tier, denn die Leute bringen ihr Tier mit rein, und das Tier ist aufgeregt wegen der Gerüche überall. Man sollte auch keine Angst vor Tieren haben, denn es kann passieren, dass man beschnüffelt wird. Und man sollte sich etwas auskennen mit Tieren, also keine schnellen, ruckartigen Bewegungen machen.

 

Gibt es noch etwas zu sagen, wonach ich nicht gefragt habe?

Als ich das erste Mal da war, habe ich keine drei Minuten gebraucht, bis ich »drin« war, also aufgenommen war. Das war super. Die haben mich gleich mit Vornamen begrüßt, genau gesagt, was ich machen soll und mir auch etwas zugetraut. Man muss sich einiges recht schnell merken, zum Beispiel nicht zu viel und nicht zu wenig auszugeben an die Leute, auch die Größe des Tieres im Verhältnis zum Futter einschätzen können, denn es muss ja für zwei Wochen reichen.


Das Interview führte Alexander Bentheim.


Highlights

Die „Wickel-Challenge“, einer von 10 Workshops am Hamburger Boys’ Day. Foto: Alexander Bentheim

Wickel-Challenge, Alterssimulation, Rolli-Ralley und auch mal die base chillen …

»Ich würde die Veranstaltung anderen Jungs empfehlen, weil es interessant zu wissen ist, wie es als Mann in einem Pflege- oder Erzieherberuf ist«, sagt Moritz (12), und Henry (13)...


C-PROMO.de / photocase

91 und 4.700 – Zahlen eines erfolgreichen Jahres 2014

Nach Ende der Förderung durch den Europäischen Sozialfonds (ESF) 2013 hat die Arbeits- und Sozialbehörde (BASFI) – aufgrund der guten Projektergebnisse - die „Sozialen Jungs Hamburg“ eigenständig...


Vier Jahre Aufbauförderung: Danke an den ESF und die BASFI – und wir freuen uns über die Fortsetzung!

„Aufbau eines Freiwilligendienstes für Jungen in den Bereichen Erziehung und Pflege“ – so lautete im Mai 2009 von der Behörde für Wirtschaft und Arbeit die offizielle „Aufforderung zur Abgabe eines...