Soziale Jungs Hamburg

ESF-Projekt „Soziale Jungs Hamburg“

Stand Mai 2010

Das neue ESF-Projekt „Soziale Jungs Hamburg“ (Projektzeitraum 2010-2011/12; Kofinanzierung BSG) beschäftigt sich mit dem Aufbau eines Freiwilligendienstes für männliche Schüler (13-16 Jahre bzw. 7.-10. Jahrgangsstufe), den diese in Tageseinrichtungen für Kinder sowie Einrichtungen der Betreuung für alte und/oder erkrankte Menschen für die Dauer eines Schul(halb)jahres mit einer wöchentlichen Arbeitszeit von etwa 2-3 Stunden durchführen (eine Variante „Kompaktpraktikum“ wird noch ausgelotet). Dabei werden die Schüler von Qualitätsmanagern des ASB fortgebildet, von Fachkräften der sozialen Einrichtungen angeleitet und von (männlichen, berufserfahrenen) Mentoren bzw. vom Projektleiter in allen Fragen des Dienstes unterstützend begleitet.

Die Zielsetzungen des Projektes bestehen in der Erweiterung des Berufswahlspektrums von jungen Männern, der Stärkung ihrer sozialen Kompetenzen und in der Förderung ihres Selbstwertgefühls, indem sie in den Freiwilligendiensten sukzessive Verantwortung für ihre Tätigkeitsbereiche übernehmen lernen. Ziel ist ebenfalls, mit dem Projekt einen Beitrag zu einem ausgewogeneren Geschlechterverhältnis in den Bereichen Erziehung und Pflege zu leisten, weil dieses mittelbar für den Abbau des Fachkräftemangels in sozialen Berufsfeldern sorgen kann.

Der innovative Ansatz des Projektes liegt im Konzept eines auf gegenseitiger Fürsorge beruhenden Hilfe- und Unterstützungssystem, das in der Lage ist, Erziehungs- und Pflegeberufe für mehr Jungen als bisher bekannter und attraktiver zu machen. Mit der Unterstützung von Mentoren soll es gelingen, dass sich mehr Jungen für Tätigkeiten interessieren, die bislang als „frauentypisch“ und „unmännlich“ gelten. Die Konzeptidee folgt der Erkenntnis, dass Zurückhaltungen und Vorurteile gegenüber geschlechts“untypischen“ Berufen nur durch positive praktische Erfahrungen aufgegeben werden – somit auch breitere Grundlagen für spätere berufliche Entscheidungen gelegt werden, die den persönlichen Neigungen und Fähigkeiten folgen und weniger von Geschlechterrollenklischees beeinflusst sind.

Der innovative Ansatz des Projektes besteht auch darin, mit einem dichten personellen Bezugsnetz und inhaltlichen sowie persönlichen Lern- und Unterstützungsstrukturen für die Schüler an der Nachhaltigkeit der von ihnen gemachten Erfahrungen zu arbeiten. Es beugt damit zugleich der von männlichen Jugendlichen oftmals als isoliert und frustrierend empfundenen Berufswahlsuche – insbesondere in einem weiblich dominierten Arbeitsbereich – vor und wirkt mit seiner beschriebenen Vernetzung auch deshalb motivationsbildend. Das Konzept ist insofern innovativ, als es explizit zum Thema „Übergang Schule/Beruf“ frühzeitig Interessen für Tätigkeiten im Sozialbereich weckt/fördert, die später beruflich verwertbar sind – auch weil der ASB als Praktikumsbetrieb (bis zu 45 FSJ-Plätze), Ausbildungsbetrieb (Erzieher, Altenpfleger) und Arbeitgeber Perspektiven für die Jugendlichen bietet.

Das Projekt initiiert selbst und vertieft zugleich die auch andernorts festgestellten Erfahrungen, nach denen Jungen bereitwillig und selbständig Tätigkeiten in sozialen Bereichen wahrnehmen, wenn sie gut vorbereitet und begleitet werden. Zunächst noch bestehende geschlechtstypische Zurückhaltungen und Vorurteile werden aufgegeben, wenn ein unterstützendes Umfeld (Lehrkräfte und Familie, aber auch Gleichaltrige und Vorbilder) das Engagement von Jungen in sozialen Diensten befördern; Lob und Bestätigungen werden von Jungen durchaus angenommen und in das Selbstbild integriert. Soziale Kompetenzen und Empathiefähigkeit sind, wenn sie als kultureller Zugewinn für Männlichkeit anerkannt werden, Teil einer Sinn stiftenden (neuen) Wertebasis für Jungen: Hilfe geben können, Übertragung von Verantwortung erfahren dürfen und das Gefühl des Gebrauchtwerdens beflügeln das Selbstbewusstsein und die Zugehörigkeit zur (lokalen) Gesellschaft.

Bürgerschaftliches Engagement in Form von Freiwilligendiensten und ehrenamtlichen Tätigkeiten braucht Anerkennung. Für die Schüler ist u.a. die Übernahme der Kosten für die Erlangung einer Jugendleiter-Card (JuLeiCa), eines Erste-Hilfe-Kurses und für ein Gesundheitszeugnis vorgesehen. Ferner werden Ein- und Aufstiegsmöglichkeiten beim Projektpartner ASB in Aussicht gestellt. Für Mentoren sind neben einer Aufwandsentschädigung für ihr Engagement attraktive Gratifikationen vorgesehen, die über Sponsoren eingeworben werden. Beide Projektpartner können auf jeweils langjährige Erfahrungen in der Arbeit mit Schülern/ Jungen sowie weitreichende Kenntnisse etwa über Sozialpraktika, soziale Berufsfelder, Jugendbildungsarbeit, Geschlechterrollendiskurs, Jungenarbeit zurückblicken:

  • Der ASB verfügt über vielfältige Erfahrungen in der Freiwilligenarbeit, in der Jugendarbeit und in der Kooperation mit Schulen. So hat er z.B. mit „Sozial macht Schule“ (www.sozial-macht- schule.de), maßgeblich aufgebaut von Herrn Rainer Micha) von 1998-2007 etwa 4000 Schüler (von 10.000 SchülerInnen insgesamt) erreicht, die mit Unterstützung eines Mentoring-Systems in 100 Sozialeinrichtungen eintägige bis ganzjährige Praktika geleistet haben.
  • Der Dipl.-Pädagoge Alexander Bentheim von der agentur männerwege koordiniert u.a. seit 2006 im Auftrag der Sozialbehörde (BSG) das Aktionsprojekt „Was für Jungs!“ am Girls’ Day (www.wasfuerjungs.hamburg.de), das für Schüler der 5.-10. Klassen Erkundungsplätze in Sozialeinrichtungen und bei Projektpartnern vornehmlich in sozialen Tätigkeitsfeldern bereitstellt. Darüber hinaus ist Herr Bentheim seit über 20 Jahren im Arbeitsbereich Jungenarbeit als Praktiker, Berater, Fortbildner, Projektentwickler und Coach tätig. Er war in der Pilotphase des bundesweiten Netzwerks „Neue Wege für Jungs“ Beiratsmitglied beim beauftragenden Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend.

Alexander Bentheim, Projektleiter,
Tel.: 040 – 38 19 07
Mail: bentheim(at)soziale-jungs-hamburg.de

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